Herzlich Willkommen auf der Seite des Roten Buchladens
Über uns
Der Buchladen Rote Straße wurde 1972 gegründet und hatte seinen Sitz viele Jahre wirklich in der Roten Straße.
Seit 1997 sind wir im Nikolaikirchhof zu finden, aber wir sind auch weiterhin der Rote Buchladen.
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Büchergilde
Die Büchergilde Gutenberg ist eine unabhängige Buchgemeinschaft. Alle 3 Monate erscheinen ca. 20 ausgewählte Buchtitel, darunter Lizenzdrucke, aber auch eigene Produktionen, wie z.B. illustrierte Bücher, die es nur bei der Büchergilde gibt.
Redebeitrag der Buchladenpreisgewinner*innen der Herzen in Leipzig zur Buchmesse (18.03.26) und zwei Petitionen
Liebe Freund*innen des Buchladens Rote Straße,
wir möchten euch hinweisen auf zwei Petitionen anlässlich der peinlichen Praxis des "Kulturkampfministers" Wolfram Weimer. Eine hier, die seinen Rücktritt fordert https://weact.campact.de/petitions/kultur-braucht-freiheit-freiheit-braucht-kultur-weimer-muss-weg
und eine hier vom Landesverband Nord des Börsenvereins des deutschen Buchhandels https://www.openpetition.de/petition/online/buchhandlungspreis-2025-unterstuetzung-fuer-ausgeschlossenen-buchhandlungen?
Sonst wollten wir mit euch den Redebeitrag teilen, der freundlicherweise am 18.03.26. bei der Kundgebung "Gegen Zensur und Autoritarismus" (vielen lieben Dank an die Organisator*innen und Teilnehmenden) für uns drei Buchhandlungen vorgelesen wurde, das klang ungefähr so:
"Wir sind überwältigt, und das gleich in vielerlei Hinsicht – überwältigt von den sonderlichen Vor-
gängen im Kulturministerium, überwältigt von der unglaublichen Solidarität, die sich quer durchs
ganze Land zieht, aber auch überwältigt von Müdigkeit, weil wir neben den beständigen Diskussi-
onen, dem Nachdenken über das Vorgefallene, Presse- und Interviewanfragen und dem Austausch
mit unseren Anwält:innen auch noch Buchläden offenhalten, in denen gerade sehr, sehr viele Men-
schen unterwegs sind. Deshalb sind wir nicht in Leipzig, wir schaffen das einfach nicht …
Wir freuen uns sehr, dass sich solidarische Menschen versammeln, um sich gegen die peinliche
Praxis des Kulturkampfministers Wolfram Weimer zu wehren. Wir wollen uns bedanken: bei euch
und allen Menschen, die solidarisch Bücher bestellen, für die breite Rückendeckung von Verlagen,
Autor:innen, Buchhandlungen und allen anderen, deren Aufzählung sicherlich mindestens eine
halbe Stunde beanspruchen würde. Wir freuen uns über alle Leute, die regelmäßig zu uns kommen,
und über alle neuen Gesichter, die seit dem Weimerischen Fehlgriff zu uns in die Läden strömen.
Die Empörung ist groß: zurecht! Wir haben uns auf einen Preis beworben, hätten ihn bekommen,
wurden belogen und nachträglich gestrichen, weil wir einem erzkonservativen Minister nicht in den
Kram passen. Er bläst zum Angriff auf Buchläden, auf Orte der Irritation, wo sich Menschen über
die Welt, in der sie leben müssen, informieren können, wo sich Menschen aufhalten und verbinden
können, wo Menschen ohne Angst sein können, wie sie sind oder sein wollen, wo sie sich eine
Zukunft vorstellen können, die schöner ist als die Gegenwart.
Gleichzeitig werden überall Projekte, Institutionen und kulturelle Einrichtungen, die sich für ein
anderes Zusammenleben einsetzen, attackiert. Ihnen werden Gelder entzogen, Leute werden ent-
lassen und wie unsere Läden auch werden sie ganz direkt in Wort und Tat von Rechten angegriffen.
Und das geschieht nicht nur hier in Deutschland, sondern weltweit. Sei es in den USA, in Ungarn,
in der Türkei und an anderen Orten dieser Welt, deren Aufzählung leider ebenfalls mindestens eine
halbe Stunde beanspruchen würde.
Wenn wir den Worten unseres obersten Kulturkämpfers und den Worten diverser AfD-Funktio-
näre und dem rechten Geraune insgesamt lauschen und genauer zuhören, geht es wohl nur vor-
dergründig um linke Buchläden: eigentlich geht es darum, vielfältige, diverse und queere Kulturen
soweit zurechtzustutzen oder zu verdrängen, bis nur noch die „natürliche Aufeinander-Bezogen-
heit von Mann und Frau“, so Weimer 2012 in einem seiner Bücher, übrig bleibt. Für jene, die
solche Ziele verfolgen, wirkt praktisch alles radikal, was dem widerspricht, und alles wird zum Ziel,
was irgendwie mit Büchern zu tun hat: Buchläden, Verlage, Bibliotheken und mehr.
Wir hoffen, dass die Geschehnisse zur mutigen Diskussion anregen. Dass es nicht bleibt bei Ge-
sprächen über die Oberfläche, dem Cover, sondern wir auch weiterblättern und uns alle weiteren
Kapitel anschauen. Mögliche Fragen: Was ist der Verfassungsschutz eigentlich für eine Behörde?
Wurde sie vielleicht vorgeprägt durch die Nazis, die dort nach dem NS wieder ihre erste Anstellung
fanden? Wem nutzt die unsägliche Gleichsetzung von links und rechts? Was für ein sonderbares
Denken setzt die gnadenlose Intoleranz, die zur rechten Ideologie dazugehört, mit Menschen
gleich, die Kritik an Sexismus, Rassismus und Antisemitismus – und ja, auch am Kapitalismus üben
und für die eine ungleiche Welt ohne Vielfalt keine gute Welt ist?
Eure Buchhändler:innen können euch zu all diesen Fragen und Themen ein Buch in die Hand
drücken, welches in Komplexität und Tiefe schon im Vorwort die provinziellen Ergüsse verschie-
dener konservativer Politiker widerlegen und übertreffen würde.
Wir bitten euch, alle Kolleg:innen und alle anderen: Macht weiter gegen rechts, supportet Räume,
in denen alle sich eine bessere Welt erspinnen dürfen, und schafft weitere Orte, an denen sich über
die Zumutungen dieser Gesellschaft informiert werden kann. Wir machen weiter, mit und ohne
Preis, aber hoffentlich niemals ohne Euch!"
Mit ganz lieben Grüßen
Buchladen Rote Straße * The Golden Shop * Zur schwankenden Weltkugel

